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Allgemeine Artikel über Themen, die wir bearbeiten bzw. interessant finden.

Unsere Arbeit gegen Mobbing an Schulen

Am Montag, 22.04.2019 hat die Berliner Abendschau des rbb das Thema Mobbing auf ihrer Agenda gehabt. Dazu haben sie Ausschnitte aus unserem Antimobbing-Workshop mit der 6c der Reineke-Fuchs-Grundschule (Reinickendorf) gezeigt und Mesut Göre, den Geschäftsführer von SELAM-Berlin interviewt.

Quelle: (22.04.2019). Abendschau vom 22.04.2019 [Abendschau]. Ausschnitt. Berlin, Deutschland: rbb.

Drei Säulen der schulischen Antimobbingarbeit

Das Thema „Mobbing an der Schule“ ist aktueller denn je. Durch den Tod einer 11-Jährigen Schülerin Ende Januar ist das Phänomen „Mobbing“ im Allgemeinen und „Mobbing an der Schule“ im Speziellen wieder in den medialen Mittelpunkt gerückt worden. Schnell wurden Schuldige gesucht und gefunden und unterschiedlichste Lösungsansätze propagiert.
Bedauerlicherweise gehört Mobbing zum Schulalltag.

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Eins von 25 Schulkindern wird ein- oder mehrmals in der Woche attackiert, schikaniert,
fertiggemacht. Das entspricht bei rund zehn Millionen Schülerinnen und Schülern in der
Bundesrepublik knapp 500.000 Mobbingbetroffenen.
Was muss getan werden, um Mobbing vorzubeugen, frühzeitig zu erkennen und zu stoppen, damit Schülerinnen und Schüler in Schulen lernen und Lehrkräfte unterrichten können, in denen Mobbing nicht zum Alltag gehört bzw. bei Erscheinen umgehend und nachhaltig beendet wird?
Wirksame Antimobbingarbeit fußt auf drei Säulen: Prävention, Intervention und Rehabilitation.
Wirksame Antimobbingarbeit ist Bestandteil eines schulischen Gesamtkonzeptes zur Gewaltprävention und zum Krisen- und Konfliktmanagement. Wirksame Antimobbingarbeit befähigt die Schülerschaft, Elternschaft und das pädagogische Personal einer Schule.
Schulebene:
Das gesamte schulische Personal lernt Mobbing zu erkennen. Die Schule baut ein eigenes
Interventionsteam gegen Mobbing auf. Im Fall des Auftretens von Mobbing wird das Mobbing-

SCHULISCHE
ANTIMOBBINGARBEIT

Interventionsteam aktiviert und nimmt sofort seine Arbeit auf. Das Team setzt erfolgreich erprobte Methoden zur Intervention (z.B. No-Blame-Approach, Farsta) ein und beendet das Mobbing. Betroffene SchülerInnen (Mobber und Gemobbte) erhalten die Möglichkeit zur Rehabilitation (z.B. Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich). Ein weiteres wichtiges Instrument auf der Schulebene ist die Verfassung einer verbindlichen Vereinbarung gegen Gewalt bzw. eine Anti-Mobbing-Vereinbarung, die von allen SchülerInnen und dem gesamten pädagogischen Personal in regelmäßig wiederkehrenden Intervallen (mind. einmal jährlich) besprochen und deren Akzeptanz durch Unterschrift besiegelt wird.

Klassenebene:
Die Schülerschaft lernt im Rahmen der Präventionsarbeit, auf Klassenebene Mobbing zu erkennen, sich von den Mobbern zu distanzieren, sich auf der Seite der betroffenen Person zu positionieren und Lehrkräfte bzw. weiteres pädagogisches Personal zwecks Unterstützung zu informieren.

Individuelle Ebene:
Betroffene SchülerInnen werden dabei unterstützt, die Täter- bzw. Opferrolle nachhaltig zu
verlassen.
Ebene der Eltern:
Im Rahmen von Elterninformationsveranstaltungen wird auf Besonderheiten, Funktionen, Auslöser und die Verbreitung von (Cyber-)Mobbing eingegangen und das Thema (Cyber-)Mobbing in den Sozialen Medien behandelt. Darüber hinaus wird erläutert, ob und wie (Cyber-)Mobbing strafbar ist und wie man (Cyber-)Mobbing im schulischen und familiären Kontext entgegenwirken bzw. anhand bestimmter Warnzeichen so früh wie möglich erkennen kann.

Mobbing kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn alle drei Säulen der schulischen
Antimobbingarbeit gleichermaßen berücksichtigt werden. Wer nur auf Prävention setzt, wird keine nachhaltigen Ergebnisse erzielen. Maßnahmen zur Intervention und Rehabilitation sind ebenfalls zwingend notwendig.

SELAM-Berlin bietet einen ganzheitlichen Ansatz für Schulen, die Mobbing entgegenwirken wollen.
Dabei werden sowohl präventive als auch interventive Maßnahmen und Maßnahmen zur
Rehabilitation von SELAM angeboten. SELAM-Berlin bietet mehrere Bausteine zum Aufbau eines
kompetenten Umgangs mit dem Phänomen an Schulen an.

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Selbstmord wegen Mobbing

Ich bin erschüttert über den Selbstmord einer elfjährigen Schülerin aus Reinickendorf. Der Tod dieses jungen Menschen machte mich sprachlos.
Warum ist es dazu gekommen?
Hätte es verhindert werden können?
Wer ist schuld? Das waren die ersten Fragen, die mir – wie vielen anderen Menschen auch – in den Sinn gekommen sind.
Wie müssen sich die bedauernswerten Angehörigen diese Mädchens fühlen? Fassungslos, hilflos, ohnmächtig, wütend, traurig?
Meine Gedanken sind nun bei Ihnen und ich möchte ihnen mein aufrichtiges Beileid und meine allerherzlichste Anteilnahme bekunden.
Was ist mit den MitschülerInnen, FreundInnen, den Lehrkräften und Erziehenden ihrer Schule?
Mit großer Anteilnahme begleiten meine Gedanken die Schulgemeinde der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf in diesen schweren Stunden.

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In den Medien wird Mobbing als Ursache genannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diese Richtung.
Da ich beruflich mit dem Thema „Mobbing“ im Allgemeinen und mit „Mobbing in der Schule“ im Speziellen zu tun habe, habe ich die Berichterstattung zum dem tragischen Vorfall mit Interesse verfolgt.

Mir ist aufgefallen, dass sich viele zu Wort gemeldet und Empfehlungen im Umgang mit Mobbing geäußert haben. Jedoch sind einige gutgemeinte Empfehlungen dabei, die nicht zielführend bzw. im negativen Fall kontraproduktiv sind.
Dazu zähle ich z.B. die Nennung von schulischen Konfliktlotsinnen, das demokratiepädagogische Instrument Klassenrat bzw. Thematisierung von Mobbing im Klassenverbund in Zusammenhang mit der Intervention bei Mobbing.
Auch sollte die vorschnelle Beurteilung des Sachverhaltes bzw. die Nennung und „Verurteilung“ von möglichen Schuldigen unterlassen werden, bevor die Ermittlungsbehörden ihr Ergebnis bekanntgeben.

Richtig ist, dass der Kampf gegen Mobbing in der Verantwortung der Institution liegt.
Mobbing an Schulen betrifft  die gesamte Schulgemeinschaft. Aus diesem Grund müssen auch alle Akteure – Schulleitung, pädagogisches Personal, Eltern und SchülerInnen Verantwortung übernehmen und aktiv werden, um Mobbing an der eigenen Schule zu verhindern.
In der Antimobbing-Arbeit ist Verantwortungsübernahme wichtig. Die Schuldfrage zu stellen, bringt uns nicht weiter.

Um Mobbing effektiv zu begegnen, müssen Schulen auf drei unterschiedlichen Ebenen – und zwar gleichwertig – aktiv werden: Prävention, Intervention und Rehabilitation.

Die Präventionsarbeit gegen Mobbing muss die gesamte Schulgemeinschaft berücksichtigen. Dazu zählen u.a. die Überprüfung der eigenen Haltung gegenüber dieser Gewaltform, das Wissen über Mobbing, die Sensibilisierung für das Phänomen und das Kennen unterschiedlicher Unterstützungsmöglichkeiten und Strategien, um Mobbing zeitnah zu beenden und Mobbingbetroffenen effektiv zu helfen. Dies kann den PädagogInnen mittels Fort- und Weiterbildungen im Rahmen von Studientagen oder Seminaren, Eltern im Rahmen von Informationsveranstaltungen vermittelt werden. Im Rahmen des Sozialen Lernens müssen SchülerInnen in ihrer Wahrnehmung und Empathiefähigkeit für ihre Mitmenschen gefördert werden. Ihre Zivilcourage muss gestärkt werden, damit Sie lernen, sich für Schwächere einzusetzen, ohne sich selbst zu gefährden. Das sind nur einige Beispiele.
Experten für Gewaltprävention empfehlen die Implementierung von aufeinander aufbauenden bzw. sich verzahnenden Präventionsketten.
Externe Fachkräfte können die schulische Präventionsarbeit gezielt unterstützen.

Unter Rehabilitation werden alle Möglichkeiten der Aufarbeitung der Folgen von Mobbing bei den beteiligten Personen – der Verursacher und der Betroffenen – genannt. Dazu zählen Schlichtungs-und Ausgleichgespräche, Verfahren zur Schadenswiedergutmachung und Versöhnung und Maßnahmen zur Wiedereingliederung von Betroffenen und Verursachern.
Diese Aufgabenbereiche fallen in die Zuständigkeit der Schulsozialarbeit, SchulmediatorInnen oder KonfliktlotsInnen.

Die Intervention zielt auf die zeitnahe Beendigung eines Mobbinggeschehens. An dieser Stelle werden die meisten Fehler gemacht. Sehr häufig wird auf Strategien zurückgegriffen, die zur Lösung von herkömmlichen Konflikten oder Streitigkeiten dienen.
Es gibt zwei erprobte und wirksame Mobbinginterventionsstrategien:
1. No-Blame-Approach
2. Farsta-Methode

Die Intervention unter Zuhilfenahme einer dieser Methoden fällt in die Verantwortung des pädagogischen Personals einer Schule.
Auf der Ebene der Organisationsentwicklung empfehlen wir jeder Schule ein eigenes Mobbing-Interventionsteams als Teil des schulischen Konfliktmanagementkonzeptes aufzubauen und zu implementieren. Interessierte Lehrkräfte werden besonders geschult (Mobbing-Interventionsteam), um im Fall von akuten Mobbing umgehend und wirkungsvoll zu intervenieren und das Mobbing zu beenden.
Ein schuleigenes Mobbing-Interventionsteam ermächtigt die Schule, unabhängig von Fremdressourcen zeitnah zu agieren. Es erhöht ihre Selbstwirksamkeit und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Schulklimas.
Diese Team kann jedoch nur aktiv arbeiten, wenn es mit personellen und zeitlichen Ressourcen ausgestattet wird.
Hier fällt den übergeordneten Bildungsverantwortlichen die Verantwortung zu.

Mesut Göre, Antigewalttrainer

Häusliche Gewalt

Häusliche Gewalt: Wenn aus dem Menschen, den man am meisten liebt, plötzlich
der ärgste Feind wird…

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Häusliche Gewalt findet sie hinter verschlossenen Türen statt. Sie wird häufig verharmlost oder ganz verschwiegen aus Angst oder Scham, weil der Täter dem Opfer nahesteht, es manipuliert oder unter Druck setzt Gewalt, die durch eine geliebte Person erlitten wird, verursacht nicht nur körperliche Schmerzen. Sie verzehrt die Seele auf und bricht die Persönlichkeit des Opfers. Häusliche Gewalt findet überwiegend im vermeintlichen Schutzraum der eigenen vier Wände statt. Häufig ist häusliche Gewalt kein einmaliges Ereignis, sondern tritt in einer Beziehung oder Ex-Partnerschaft immer wieder auf. Sie steigert sich im Laufe der Zeit immer mehr. Alle sozialen Schichten, mit unterschiedlichem Einkommen und Bildungsstand und jeder Herkunft können betroffen sein. Täter sind zumeist Männer. Gewalt in Partnerschaften trifft zu 82 Prozent Frauen, im Jahr 2015 waren es insgesamt 104 290 weibliche Opfer. SELAM-Berlin gUG möchte mit dem Programm KonTra häusliche Gewalt gewaltausübende Männer mit einem Konflikttraining dazu befähigen, Beziehungskonflikte gewaltfrei zu lösen und Krisen in der Beziehung gewaltfrei zu bewältigen.

KONTRA HÄUSLICHE GEWALT – Konflikttraining für gewaltausübende Männer