Keine Gewalt an Grundschulen!

Gewaltprävention an einer Grundschule? Ist dieses Thema schon in so jungen Jahren relevant? Ja, das ist es! Dies wurde den Teilnehmenden des Gewaltpräventions-Workshops an der Spreewald Grundschule in Berlin Kreuzberg deutlich.

Im Rahmen meines Lehramtsstudiums an der Uni Potsdam nutzte ich die Gelegenheit bei Selam Berlin ein 2-wöchiges Praktikum zu absolvieren und bei dem Workshop zu assistieren. Auch außerhalb meiner Vorlesungen beschäftigt mich das Thema Gewalt an Schulen. In den Medien ist es sehr präsent und auch während meines einjährigen Bundesfreiwilligendienstes an einer Berliner Schule vor zwei Jahren gab es hin und wieder gewalthaltige Situationen, für deren Lösung ich hinzugezogen wurde. Daher freute ich mich sehr, am Gewaltpräventions-Workshop von Selam teilzunehmen und neue Wege zur Konfliktlösung zu lernen.Der Workshop fand am Montag, den 31.August 2017 mit etwa 50 PädagogInnen dieser Schule statt und wurde vom Coach und Antigewalttrainer Michael Siegel und dem Geschäftsleiter Georg Mastritsch, der sich mit der Durchführung des Klassenrates auseinandersetzt, geleitet. Zum Einstieg ins Thema wurde ein kurzer Film gezeigt, in dem eine gewaltgeladene Situation zwischen zwei Schülern auf dem Schulhof nachstellt wurde. Anschließend führte Herr Siegel die Teilnehmenden mit einigen wissenschaftlichen und theoretischen Ansätzen näher an das Thema Gewalt heran. Er ging dabei beispielsweise auf die Triebtheorie, die Frustrationstheorie und die Lerntheorie ein. Festzuhalten ist hierbei, dass keine dieser Theorien eigenständig die Gewalt von Menschen vollumfänglich erklären kann. Es bedürfe stets einer Kombination mehrerer Theorien, um gewalttätige Handlungen zu erklären.

Nach dieser sehr ausführlichen, aber gut gegliederten Darstellungen ging es für alle in die gemeinsame Frühstückspause, in der bereits viel über das eben gehörte diskutiert wurde. Nach der Stärkung ging es sofort mit einem Interaktionsspiel weiter, an dem sich alle PädagogInnen beteiligten. Das Spiel lief wie folgt ab: Der Raum wurde in zwei Achsen geteilt. Es wurde anschließend eine Situation vorgelesen, die von den PädagogInnen beurteilt werden sollte. Anhand der ersten Achse sollte eingeschätzt werden, wie gewalthaltig die vorgelesene Situation für die Person ist. Auf der zweiten Achse sollte die Relevanz der Situation in dieser Schule widergespiegelt werden. Nach kurzem Überlegen verteilten sich die PädagogInnen an die entsprechende Position im Raum. Einige Personen wurden ausgewählt und danach befragt, warum sie sich ausgerechnet an diese Position gestellt haben. Nach diesem Interaktionsspiel fand eine so genannte Methodengalerie statt, die auf das nachfolgende „World-Café“ vorbereitet. Während der Methodengalerie wurde eine Vielzahl von Methoden zur Gewaltprävention vorgestellt. Zum Beispiel wurde die Methode des Klassenrats vorgestellt, bei welcher sich die SchülerInnen gegenseitig loben und ihre Anerkennung aussprechen können. Dann wird im Klassenverband über Probleme in der Klasse oder generell wichtige Dinge gesprochen. Um den Klassenrat abzuschließen, gibt jeder Schüler ein Feedback an die Gruppe.

Nach der Vorstellung der möglichen Themen für die Methodengalerie hatte jeder Pädagoge/jede Pädagogin die Möglichkeit die drei Methoden auszuwählen, die nach eigenem Dafürhalten am wichtigsten sind, um gewaltgeladene Konflikte zu lösen. Nachdem die Auswahl getroffen und ausführlich unter den Teilnehmern diskutiert wurde, folgte die gemeinsame Mittagspause. Anschließend fand das World-Café statt. Hierbei gab es vier Thementische. Die Themen waren: Klassenrat, Sozialkompetenztraining der Klassen 1 bis 3, Anti-Mobbing-Teams an Schulen und Streitschlichter-/Konfliktlotsenausbildung/ Buddy-Projekte. Jeder Thementisch wurde von einem der Teilnehmer betreut und moderiert. Die anderen PädagogInnen wurden in 4 Gruppen geteilt und wechselten nach jeweils 11 Minuten den Diskussionstisch. Nach drei Runden folgt eine Zusammenfassungsrunde, in der die Ergebnisse zu dem jeweiligen Thema auf einem Plakat festgehalten und den anderen Gruppen vorgestellt wurden. Nachdem der Workshop thematisch abgeschlossen wurde, baten die Moderatoren um ein anonymes schriftliches Feedback zum Workshop.

Abschließend lässt sich sagen, dass der Workshop den PädagogInnen und mir viel Spaß gemacht hat und viele Methoden zur Gewaltprävention nähergebracht hat. Der Workshop bildet einen Grundstein für weitere Arbeiten im Bereich der Gewaltprävention. Dabei können sich die PädagogInnen jederzeit an Selam Berlin wenden und um Unterstützung bitten.

verfasst von Benita Imeraj (Lehramtsstudentin Uni Potsdam)