Index für Inklusion

Definition von Inklusion

Nun sollen wir auch noch inkludieren. Wie sollen wir das schaffen?

Seit Jahren wird Inklusion in der Schule gefordert. LehrerInnen und ErzieherInnen fühlen sich zunehmend überfordert, bei dem Gedanken, sich nun um noch mehr Kinder zu kümmern, die bisher der Sonderpädagogik zugeschrieben wurden. Nun sollen die Förderschulen aufgelöst  werden oder sind es bereits und die SchülerInnen dieser Förderzentren in „normale“ Schulen einbezogen werden.

Die Schulen haben die Möglichkeit, mit dem „Index für Inklusion – Lernen und Teilhabe in der Schule der Vielfalt entwickeln“ das inklusive Leben zu etablieren. Doch ist das überhaupt möglich?

Um diese Frage beantworten zu können, muss vorab die Frage gestellt werden: Sind Sie als LehrerInnen bzw. sind die SchülerInnen zufrieden mit Ihrer Schule? Wenn Sie die Frage mit einem „Nein“ oder einem „Ja, aber…“ beantworten, wäre es an der Zeit, zu analysieren, welche Indikatoren Sie zu Ihrer Antwort führen.

Der Index schaut sich alle Bereiche des schulischen Zusammenlebens an. Durch diese Analyse lassen sich konkrete Handlungen ableiten, die im Folgenden ein besseres Miteinander ermöglichen. Unter dieser Sicht bringt es all den Beteiligten etwas, die sich Verbesserungen/ Veränderungen im schulischen Alltag wünschen.

Ebenso können durch eine gezielte Analyse Barrieren aufgedeckt werden, die nur durch politische Unterstützung überwunden werden. So können gezielt Argumente an den Bezirk und die Landesebene gerichtet werden, deren Aufgabe es ist, Verbesserungen der schulischen Situation zu unterstützen.

Was ist Inklusion?

Inklusion wird  – gemäß Veröffentlichungen der „Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft“ – als das Konzept des menschlichen Zusammenlebens, in der Form des „Einbeziehens von Teilen in und zu einem Ganzen“, das es ermöglichen solle, die Teilhabe aller zu gewährleisten und erkennbare Hinderungsgründe zu nivellieren (vgl. Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, 2010, S.2).

Durch Inklusion soll sich ein Umdenken im gesamtgesellschaftlichen Umgang mit Unterschieden entwickeln, die eine Transformation in bestehende Strukturen und im Denkprozess erfordert. Wie gehen wir mit Unterschieden und Vielfalten um? Es geht um ein verändertes Gefühl für das Miteinander.

Was ist der Index für Inklusion?

Der Index für Inklusion ist für die Autoren des Index eine Liste mit Aussagen, die der Überprüfung spezifischer Aspekte von Qualität dienen (Booth, Ainscow, 2003, S.116).

Diese Aussagen/ Indikatoren teilen Booth et al. in drei Dimensionen ein:

  • Inklusive Kulturen schaffen: Wie gehen die unterschiedlichen Personenkreise mit einander um? Fühlt sich jeder anerkannt und respektiert?
  • Inklusive Strukturen etablieren: Wie wird, wie kann das Miteinander gestaltet werden, welches inklusives Leben ermöglicht?
  • Inklusive Praktiken entwickeln: Wie werden inklusive Kulturen und inklusiven Strukturen in der Erziehung und Bildung gelebt oder wie können diese Dimensionen in den schulischen Alltag integriert werden?

Durch den Index für Inklusion wird eine Möglichkeit angeboten, den Prozess hin zu einer  inklusiven Schulen durch Reflexionsmöglichkeiten und Entwicklungsplanungen zu unterstützen, auch dadurch, dass alle am Lernprozess Beteiligten involviert sind.

Wie läuft ein Index-Prozess ab?

Bereits der Index-Prozess, der in fünf Phasen abläuft, ermöglicht ein inklusives Entwicklungsverfahren[1].

Die einzelnen Phasen werden wie folgt beschrieben:

– Phase I: Indexteambildung

– Phase II: Schulsituation betrachten

– Phase III: Bearbeitung des Schulprogramms

– Phase IV: Umsetzung der Prioritäten

– Phase V: Dokumentation der Ergebnisse

In der Phase I[2] wird eine Koordinationsgruppe – das Index-Team – gebildet. Dieses Index-Team besteht aus VertreterInnen der Lehrerschaft, ErzieherInnen, der Eltern- und der Schülerschaft (Ansprechgruppen genannt), die alle gleich stimmberechtigt sind.[3]

Es wird empfohlen einen „kritischen Freund“ (eine außenstehende Person) in diesen Prozess einzubeziehen. Dieser kritische Freund sollte nicht im Schulalltag involviert sein. So kann er sowohl zu Themen des Schulalltags als auch in der Prozessentwicklung und -gestaltung einen anderen kritischen Blick entwickeln und einbringen.

Auf Basis des Schulprogramms wird analysiert, welche Möglichkeiten und Hemmnisse auf dem Weg zu einer inklusiven Schule relevant sind.

In Phase II wird in den jeweiligen Ansprechgruppen über die Schulsituation gesprochen. Jede dieser Gruppen legt ein Ziel des Index-Prozesses fest, damit eine breite Akzeptanz erreicht wird. Ziel der Aktivitäten der Phase II ist, eingegrenzte Prozessziele zu übernehmen

Mit Phase III steht die Bearbeitung des Schulprogramms im Focus. Es wird entsprechend den festgelegten Zielsetzungen der vorigen Phase erweitert.

Die Phase IV ist gekennzeichnet vom Umsetzungsprozess. Alle direkt bzw. indirekt Beteiligten müssen hier aktiviert einbezogen werden. Fortschritte aber auch Hindernisse zum Erreichen eines Zieles werden dokumentiert und evaluiert.

Sowohl die Dokumentation als auch die Evaluation sind Basis für die Reflexionsphase, die Phase V. Es werden nach einem gewissen Zeitraum, z.B. einem Jahr, die Ergebnisse der Dokumentation und Evaluation zusammengetragen. Sie werden mit den im Schulprogramm festgelegten Prioritäten und Zielen verglichen.

Die Phase V wird aber auch für einen neuen Beginn des Inklusionsprozesses genutzt.

Wann sollen wir uns denn noch damit beschäftigen?

Für das Fachpersonal kann man einen Studientag dafür veranschlagen. Damit kann das pädagogische Personal einen ersten umfangreichen Einblick in den Index erhalten.

Mit SchülerInnen kann der Index für Inklusion in Sozialkunde, Deutsch, Politische Bildung oder anderen Unterrichtsstrukturen bearbeitet werden.

Was sind die wichtigsten Merkmale?

Mit Hilfe des Index werden Hindernisse aufgedeckt, die inklusives Leben nur eingeschränkt zulassen, es können Ressourcen aufgedeckt werden, die bis dato nicht ersichtlich waren und es kann die Teilhabe aller Personengruppen einer Schule ermöglichen, so kann Inklusion als Haltung etabliert werden.

Was muss im Prozess beachtet werden?

Generell ist es wichtig, dass alle am Lernprozess Beteiligten involviert sind. Da das Bildungssystem in Deutschland hierarchisch aufgebaut ist und eine starke Veranstwortung der Schulleitung zukommt, ist es hier vor allem wichtig, dass die Schulleitung hinter diesem Prozess steht und ihn unterstützt.

Welche Schwierigkeiten und Probleme können entstehen?

Die Gestaltung eines solchen Index-Prozesses braucht Zeit und Engagement – dieser Tatbestand ist grundlegend im Index-Team zu berücksichtigen. Es ist wichtig, die einzelnen Schritte nacheinander zu gehen und keinen zu überspringen und den Prozess bis zum Ende durchzuführen.

Alle Mitglieder des Index-Teams und alle Arbeitsgruppen müssen im Verlaufe des Prozesses das gleiche Stimmrecht haben.

Den Zweifeln zum Trotz ist es wichtig, den Mut zu haben, einen Prozess zu beginnen.

 

[1] Dieser Artikel lehnt sich an dem Verfahren Autoren des Index für Inklusion an.

[2] Es wird von den Autoren empfohlen, mit anderen Schulen, die bereits in einem Indexprozess arbeiten, zu kooperieren. Eventuell arbeitet bereits an der Schule eine andere Koordinationsgruppe zu einem anderen Thema – diese Erfahrungen von Strukturen, Hindernissen und Stärken lassen sich entsprechend auf diese Arbeit übertragen. So kann gezielter am Index-Prozess gearbeitet werden.

[3] Es sollten je nach Schulform und Personalausstattung auch SozialarbeiterInnen, psychologisches Fachpersonal, aber auch Küchenpersonal bzw. Reinigungspersonal in diesen Prozess involviert werden, bzw. einen festen Platz im Index-Team haben.

Literaturnachweis

Booth, T., Ainscow, M. (2003). Index für Inklusion: Lernen und Teilhabe in der Schule der Vielfalt entwickeln (Übersetze und adaptierte Fassung). Halle: Martin-Luther-Univ., Fachbereich Erziehungswissenschaft.

Montag-Stiftung Jugend und Gesellschaft. (2010). Kommunaler Index für Inklusion: Arbeitsbuch. Bonn.

Bildnachweis

Bild1: https://www.google.de/search?q=inklusion&client=firefox-b&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiQi4WXj7_SAhWJD8AKHbLGCkMQ_AUICCgB&biw=1366&bih=659#imgrc=SX69hKN7OHZu9M: (eingesehen 05.04.2017)